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Unzufrieden mit Ergebnis der Schönheitsoperation? Was Sie tun können.

Begibt man sich in die Hände eines Schönheitschirurgen, sollte man davon ausgehen können, dass dieser sein Handwerk versteht. “Der Arzt wird schon wissen, was er tut” sind häufige Gedankengänge von Patienten der plastisch-ästhetischen Chirurgie.

Für manche kommt nach dem Eingriff das böse Erwachen. Brüste sehen nicht so aus wie vereinbart oder die Wunden einer Bauchdeckenstraffung wollen einfach nicht abheilen. Schlimmstenfalls sind die Patienten ein Leben lang entstellt. Nicht immer ist das fehlende Können des Chirurgen Grund für Unzufriedenheit, doch die Konsequenzen muss der Patient allein tragen, oder gibt es womöglich weitere Lösungen?

Was kann bei Schönheitsoperationen alles schiefgehen?

Arzt ist nicht gleich Arzt. Die Berufsbezeichnung Schönheitschirurg ist nicht geschützt und kann von jedem Mediziner, auch ohne spezielle Fachkenntnisse, verwendet werden. Die Entscheidung für einen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, der bestenfalls auf den Wunsch-Eingriff spezialisiert ist, ist stets die bessere Alternative. Um diese Berufsbezeichnung tragen zu dürfen, ist eine langjährige Ausbildung mit anschließender Facharztprüfung notwendig. Doch auch weniger gut ausgebildete Ärzte führen Schönheitsoperationen durch und unterschätzen vielfach die Komplexität des menschlichen Körpers und dem Eingriff an sich.

Ein Brustchirurg weiß um die Wichtigkeit der richtigen Implantatwahl und -position, um zu gewährleisten, dass die modellierten Brüste sich symmetrisch in das Gesamtbild des Körpers einfügen und die Kissen sich nicht sichtbar abzeichnen bzw. verrutschen. Auch zur Präparation der Implantattasche gehören chirurgisches Geschick und Erfahrung, denn sie darf weder zu groß noch zu klein sein, damit ein optimales Einwachsen der Implantate garantiert werden kann.

Weitere Komplikationen:

  • Augenlidoperationen: Unfähigkeit Augenlider zu schließen, asymmetrische Ergebnisse, trockene Augen, Verletzungen der Bindehaut
  • Bruststraffung/-verkleinerung: ungleichgroße Brüste, Verlust der Stillfähigkeit (auch bei Vergrößerung)
  • Nasenkorrektur: schiefes Zusammenwachsen, tastbare Unregelmäßigkeiten, Verletzung Tränenkanal, Schädelbasis, Nasenscheidewand, Absinken der Nasenspitze
  • Fettabsaugung, Straffungen: ungleichmäßiges Ergebnis – Dellen

Ist der Operateur zu unerfahren, kann es passieren, dass er Krankheiten oder Deformitäten nicht als solche erkennt. Fehldiagnosen führen schnell zu einer inadäquaten Behandlung, die mitunter sehr gefährlich für die Gesundheit des Patienten sein können.

Werden Hygiene-Richtlinien aus Kostengründen oder Unwissenheit nicht eingehalten, infizieren sich Wunden schnell. Auch Wundheilungsstörungen und eine unschöne Narbenbildung hängen stark mit hygienischen Bedingungen zusammen. Doch auch unsauberes Arbeiten im Hinblick auf das handwerkliche Know-How des Chirurgen können das Risiko für derartige Komplikationen oder auch der Verletzung von Nerven, Muskeln und Gewebe stark erhöhen. Schmerzen, Funktionsausfälle, Empfindungsstörungen oder abgestorbenes Gewebe sind oft die Folge.

Auch Botox- oder Hyaluroninjektionen sind in den falschen Händen alles andere als harmlos. Gerade Botox, ein Nervengift, kann zu kompletten Gesichtsfeld-Lähmungen führen, wenn es in die falschen Muskeln injiziert wird.

Misslungene Schönheitsoperation: Was nun?

Selbstoptimierungen durch Schönheitsoperationen sind im Trend und vor allem Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sprechen immer offener über dieses Thema. Wie immer, wenn die Nachfrage nach einem Produkt oder einer Dienstleistung sehr hoch ist, steigt gleichzeitig der Konkurrenzdruck auf dem Markt. Dies kann dazu führen, dass Ärzte unter vermehrtem Kostendruck arbeiten müssen, den bspw. ausländische Anbieter mit teils unseriösen Billigangeboten induzieren. Die Zahl der Behandlungsfehler muss dementsprechend steigen, denn es operieren nicht nur immer mehr Ärzte, denen schlicht das Können fehlt, sondern auch den erfahrenen Chirurgen können Fehler unterlaufen, wenn sie in kürzerer Zeit für weniger Geld mehr und mehr Patienten behandeln müssen, um die Kosten zu decken.

Für die Patienten ist der Schock groß, wenn sie sich nach einer langersehnten Behandlung mit einem unbefriedigenden oder misslungenen Ergebnis konfrontiert sehen. Zunächst einmal ist es in einem solchen Fall ratsam, wenn möglich, das Gespräch mit dem behandelndem plastischen Chirurgen zu suchen. Viele seriöse Kliniken bieten Korrekturen auf eigene Kosten an. Bei Nasenoperationen ist dies bspw. sehr häufig der Fall, da sie sehr komplex und Veränderungen durch den Heilungsverlauf schlecht einzuschätzen sind.

Ist der Arzt nicht bereit eine auf Kulanz basierende Nachbehandlung vorzunehmen, oder ist das Vertrauen in den Behandler derart erschüttert, dass eine weitere OP nicht in Frage kommt, ist die Beratung durch einen Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf Medizinrecht angeraten, denn ob ein Behandlungsfehler seitens des Arztes vorliegt, muss der Patient nachweisen. Hierfür wird in den allermeisten Fällen ein medizinisches Gutachten durch einen sachverständigen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie benötigt.

Liegen eindeutige Behandlungsfehler des Arztes vor, können mitunter Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden. Krankenkassen kommen in der Regel nicht für rekonstruktive Eingriffe nach misslungenen plastischen Eingriffen auf. Auch kann eine psychische Beratung hilfreich sein.

Der Arzt trägt bei Komplikationen nicht zwangsläufig die Verantwortlichkeit

Viele Menschen glauben, dass ein Schönheitschirurg im Falle eines nicht wunschgemäßen Ergebnisses haftbar ist. Das stimmt allerdings nur teilweise. Risiken, die mit jedem chirurgischen Eingriff einhergehen, können lediglich zum Teil vom Arzt beeinflusst werden. Wie gut der individuelle Körper auf einen Eingriff reagiert, kann nicht vorhergesagt werden.

Wie auch bei Infektionskrankheiten, bei denen sich der eine ansteckt und der andere nicht, können Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder Infektionen jeden mit schwachem Immunsystem treffen.

Hat sich die behandelnde Klinik also keines Behandlungsfehlers schuldig gemacht und stimmen die hygienischen Verhältnisse, kann sie auch nicht für Komplikationen haftbar gemacht werden, wenn diese dem Patienten im Vorfeld dargelegt wurden. Nur wenn dies nachweislich nicht in ausreichendem Maße geschehen ist, muss die Klinik den Schaden tragen.

Es ist für den Patienten bei der Voruntersuchung deshalb sehr wichtig, dem Arzt genau zuzuhören und nachzufragen, wenn etwas nicht verstanden wurde. Menschen, die sehr unter einer bestimmten Situation leiden, neigen dazu, sich nur auf das Endergebnis zu fixieren und Warnungen zu überhören. Ein plastisch-ästhetischer Eingriff ist eine nicht notwendige Operation und die Entscheidung dafür sollte nicht zu leichtfertig gefällt werden.

Vorsorge ist besser als professionelle Nachsorge

In der Regel müssen sich Patienten mit einem misslungenen Operationsergebnis nicht abfinden. Wahre Meister ihres Fachs sind in der Lage, selbst scheinbar aussichtslose Fälle in ein Ergebnis zu wandeln, mit dem sich die Patienten wieder wohl in ihrer Haut fühlen können. Dafür ist ein umfassendes Verständnis des Körperaufbaus sowie ein gutes Vorstellungsvermögen unverzichtbar. Es gibt viele plastische Chirurgen, die im rekonstruktiven Bereich enorm viel leisten können. Ergibt sich noch ein besonderes Vertrauensverhältnis, sind perfekte Voraussetzungen geschaffen, um dem Patienten in vielerlei Hinsicht weiterzuhelfen.

Besser wäre es allerdings, wenn sich verpfuschte Schönheitsoperationen erst gar nicht ergeben würden. Patienten sollten sich vor einem geplanten Eingriff sehr gut über den Chirurgen informieren und sich bei Unsicherheiten eine Zweitmeinung von einem anderen Arzt einholen. Durch den Vergleich kann auch erst beurteilt werden, wie gut die Voruntersuchung beim Wunsch-Arzt wirklich ist. Dieser sollte ausgiebige Risikoaufklärung betreiben und dem Patienten ein ausführliches Bild der Möglichkeiten und des Resultats vermitteln können, damit keine Missverständnisse aufkommen. Leichtfertige Entscheidungen oder gar Ärzte, die nach der Voruntersuchung auf die schnelle Vereinbarung eines OP-Termins drängen, sind zu meiden. Man sollte sich im Vorfeld wirklich sicher sein, ob der Eingriff unter Beachtung der Risiken und möglichen Komplikationen lohnenswert ist.

Auf dem Schönheitsmarkt gibt es jede Menge schwarze Schafe. Vorsicht ist deshalb immer geboten, gerade wenn ein Angebot zu verlockend erscheint, um wahr zu sein. Meistens stecken dahinter versteckte Kosten oder aber auch Qualitätsmängel, die Komplikationen und Behandlungsfehler wahrscheinlicher machen.