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Wie gefährlich sind Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum vor einer Operation?

Dass Alkohol, Rauchen und Drogen sich nicht förderlich auf die Gesundheit auswirken, ist jedem bekannt. Doch gerade die als gesundheitsbewusst geltende Patientengruppe der plastisch-ästhetischen Chirurgie, bringt den Konsum von Suchtmitteln eher mit vorzeitiger Faltenbildung, als mit negativen Folgen für Regeneration und körperliche Belastbarkeit in Bezug auf eine Operation in Zusammenhang.

Dabei sind diese Effekte durch Studien bereits ausreichend belegt. Da die Folgen mitunter lebensbedrohlich sein können, ist eine Auseinandersetzung mit diesem Thema von großer Bedeutung.

Alkohol-, Zigaretten- und Drogen vor Operationen? Das kann gefährlich werden!


Suchtmittel beeinflussen die Narkosewirkung

Im historischen Kontext galt Alkohol, neben Pflanzenextrakten, als Narkotikum um Operationsschmerzen zu lindern. Im Mittelalter war es üblich den Patienten, aus Mangel an Alternativen, vor einem medizinischen Eingriff alkoholische Getränke einzuflößen.

Bis zur Entdeckung der heutzutage üblichen Narkose, bei dem das Schmerzempfinden nicht nur heruntergesetzt, sondern durch Verlust des Bewusstseins völlig ausgeschaltet werden kann, waren Operationen also eine sehr schmerzhafte Angelegenheit.

Vollnarkosen sind in der heutigen Zeit sehr sicher geworden. Jedoch stellen sie noch immer eine hohe Stressbelastung für den Körper dar. Deshalb ist die körperliche Verfassung vor einer OP entscheidend für einen optimalen Ablauf.

Der regelmäßige Konsum von Alkohol, Zigaretten und Drogen stressen den Körper zusätzlich und können den Anästhesieablauf erheblich stören.

Anästhetika müssen bei Rauchern höher dosiert werden als bei Nichtrauchern, weshalb es so wichtig ist, dass der Anästhesist eine genaue Vorstellung davon hat, wie viel der Patient raucht. Auch Alkohol- und regelmäßiger Drogenkonsum, was auch Schmerzmittel und Schlaftabletten einschließt, bergen das Risiko, während der OP Wachphasen zu erleben.

Postoperative Komplikationsraten dramatisch erhöht

Alkoholkonsum vor und nach einer OP

Starke Alkoholiker haben ein 73 % höheres Risiko nach der Operation eine Infektion zu entwickeln. Als starke Alkoholiker werden Menschen bezeichnet, die jeden Tag mehr als 1 bis 2 alkoholische Getränke zu sich nehmen.

Besonders schwere Komplikationen ergeben sich ab einem Konsum von 60 g reinem Alkohol.

Studien, die die Auswirkungen von Alkohol auf postoperative Komplikationen untersuchen, beziehen sich in den meisten Fällen auf starke Alkoholiker und fanden keinen Zusammenhang zwischen moderatem Alkoholkonsum und steigenden Operationsrisiken.

Weitere Studien, die diese Patientengruppe untersuchen, müssen dementsprechend noch folgen. Nichtsdestotrotz sollte nicht unmittelbar vor der Operation Alkohol getrunken werden.

Alkohol wirkt sich hemmend auf die Blutgerinnung aus, weshalb schneller Blutungen auftreten und auch das Herz-Kreislauf-System sich anfälliger zeigt. Außerdem schwächt er das Immunsystem, welches die Anfälligkeit für Infektionen erhöht und den Prozess der Wundheilung verlangsamt.

Befindet sich während einer OP Alkohol im Blut, schüttet der Körper wesentlich mehr Stresshormone aus, die sich ebenfalls negativ auf die Genesungsfähigkeit nach dem Eingriff auswirken.

Rauchen vor einer OP

Wer regelmäßig zu Zigaretten greift, dem ergeht es nicht besser als mit Alkohol. Auch durch Nikotin wird das Immunsystem empfindlich gestört und die Wundheilung verlangsamt. Infektionen entwickeln sich dadurch schneller und es kommt im Heilungsverlauf häufiger zur Bildung sehr unschöner und auffälliger Narben.

Sauerstoff ist ein primärer Motor einer gesunden Wundheilung. Raucher nehmen bei jedem Zug an der Zigarette Kohlenmonoxid und Nikotin über das Blut in den Körper auf. Kohlenmonoxid bewirkt einen Sauerstoffmangel im Blut. Körperzellen, wie Makrophagen oder Fibroblasten benötigen ihn für Regenerationsprozesse aber in ausreichend hoher Konzentration.

Gerade in den ersten Stufen der Heilung erfolgt die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, die der Reinigung der Wunde dienen. Krankheitserreger und körperfremde Stoffe können nicht ausreichend abtransportiert werden. Die Einwanderung und Entwicklung von Fibroblasten ist in späteren Wundheilungsphasen vermindert. Diese Verbindung resultiert sowohl in der verminderten Wundheilung als auch einem höheren Infektionsrisiko.

Das unausgewogene Verhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und der Sauerstoffversorgung erhöht auch die Erythrozytenzahl im Blut, damit der verbleibende Sauerstoff effektiver transportiert werden kann. Das Blut wird weniger fließfähig. Dies wiederum geht mit einem gesteigerten Risiko für Thrombosen einher.

Den gleichen Effekt erzielt ein verstärkter Abbau von Antioxidantien. Nikotin schwächt außerdem das Herz-Kreislauf-System. Dies kann sich schon während der Operation negativ auswirken und postoperativ zu Herzrhythmusstörungen führen.

Zum Zusammenhang zwischen dem Rauchen und postoperativen Komplikationen existieren sogar noch deutlich mehr Studien als zum Thema Alkohol. Besonders Raucher sind gefährdet Lungenkomplikationen zu entwickeln, wenn OPs im Bauchraum vorgenommen werden müssen. Einzig das Blutungsrisiko erhöhte sich bei den Rauchern im Vergleich mit den Nichtrauchern nicht signifikant.

Auch speziell in Bezug auf Schönheitsoperationen sind Risiken in Verbindung mit dem Rauchen von Zigaretten oder der Verwendung von Nikotinersatz bekannt. Zum Beispiel legen Studien nahe, dass Raucherinnen bei einer Brustvergrößerung ein deutlich erhöhtes Risiko einer Kapselfibrose haben. Außerdem verkürzen Sie den Effekt vieler Behandlungen, insbesondere Hautstraffungen und Faltenbehandlungen, deutlich.

Drogenkonsum vor und nach einer OP

Auch Drogen erhöhen das Risiko, Wundheilungsstörungen zu entwickeln. Viele Drogen haben einen aufputschenden Effekt durch die Anregung des Herz-Kreislauf-Systems. Bei frischen Wunden besteht damit die Möglichkeit eines Wiederaufreißens, da das Blut unter einem höheren Druck durch die Gefäße gepumpt werden muss. Zudem können sich mitunter Wechselwirkungen mit postoperativ einzunehmenden Medikamenten ergeben.

Vor einer Operation lässt sich der Status des Immunsystems schlecht überprüfen. Es kann durch Suchtmittel derart eingeschränkt sein, dass der Körper die Fremdstoffe und Krankheitserreger, die unvermeidlich durch einen operativen Eingriff in den Körper gelangen, nicht mehr abwehren kann. Schlimmstenfalls kann dieser Umstand lebensbedrohlich sein.

Frühzeitig aufhören – aber wie? Die Suchtproblematik

Der beste Zeitpunkt im Hinblick auf eine Operation mit dem Rauchen aufzuhören, ist bis zu 8 Wochen vor dem Eingriff. Studien fanden heraus, dass sich auf diesem Wege das Risiko für Komplikationen um das Dreifache reduzieren lässt.

Aber auch noch kurz vor der OP kann ein Rauchstopp den essentiellen Sauerstoffgehalt im Blut deutlich erhöhen. Starke Alkoholiker können bereits nach 4 Wochen Alkoholabstinez mit einem deutlich niedrigeren Risiko rechnen.

Im Gehirn von Rauchern bewirkt das Nikotin angenehme Empfindungen, was es vor allem in Stresssituationen, wie vor einer Operation so attraktiv macht. Das Gehirn ist an eine regelmäßige Dosis Nikotin gewöhnt und reagiert mit Stress auf einen plötzlichen Entzug.

Für einen Raucher, dessen OP-Termin unmittelbar vor der Tür steht, kann sich das Unterfangen eines Rauchstopps in letzter Minute als Unmöglichkeit erweisen. Hinzu kommen auch gerade in Bezug auf Alkohol und Drogen Suchtproblematiken, die einen simplen Stopp meist nicht möglich machen.

Starke Alkoholiker und Drogenkonsumenten schaffen es in den meisten Fällen nicht allein mit ihrer Sucht umzugehen und benötigen professionelle Hilfe.

Förderlich wäre ein frühzeitiger Stopp jeglichen Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsums. Sollte dies nicht möglich sein, müssen die Patienten höhere Risiken für postoperative Komplikationen in Kauf nehmen und ihren Körper nach der Operation sehr genau beobachten.

Alle körperlichen Signale, wie starke Schmerzen, müssen umgehend durch einen Arzt begutachtet werden. Komplette Ehrlichkeit in Bezug auf den eigenen Konsum gegenüber dem Arzt sollte eine Selbstverständlichkeit und im Hinblick auf die ärztliche Schweigepflicht kein Problem darstellen.