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Schönheitsoperationen im Ausland: Kosten vor Qualität?

Schönheitsoperationen sind in den meisten Fällen mit erheblichem Kostenaufwand verbunden, den nur in den seltensten Fällen die Krankenkassen tragen.

Höhere Lohn- und Betriebskosten führen dazu, dass in Deutschland durchgeführte Operationen deutlich teurer sind als im Ausland. Außerdem kann es, je nach Art der Operation, zu langen Wartezeiten kommen. Diese werden vor allem dann nicht gern in Kauf genommen, wenn der Wunsch nach einer optischen Veränderung groß und die Entscheidung für eine OP bereits getroffen ist.

Auch die Überlegung das Notwendige mit dem Nützlichen zu verbinden, sich also gleichzeitig einen Urlaub zu gönnen, um sich von den Strapazen der Behandlung zu erholen, scheint verlockend. Aber lohnt es sich wirklich, für eine Schönheitsoperation einen mitunter sehr weiten Weg auf sich zu nehmen oder überwiegen die Nachteile eine Kostenersparnis?

Im Ausland gelten oft andere Qualitätsstandards

Ist die Entscheidung für eine Schönheitsoperation erst einmal gefallen, gilt es, aus der Vielzahl an Kliniken diejenige herauszufiltern, die den eigenen Erwartungen und Ansprüchen genügt. Im Ausland ansässige Fachärzte genießen mitunter einen ausgezeichneten Ruf und eine fundierte Ausbildung.

So scheint es auf den ersten Blick eine gute Idee, sich für eine Behandlung ins Ausland zu begeben. Jedoch können die Qualitätsstandards, bezüglich der technischen Ausstattung der Klinik sowie die Personalanforderungen, anders geregelt sein als in deutschen Kliniken. Auch Facharztausbildungen sind hierzulande gesetzlich genau festgelegt. Demnach darf sich „Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie“ nur nennen, wer zusätzlich zum Medizinstudium eine 6-jährige Facharztausbildung genossen hat. Im Ausland ist dieser Begriff meistens nicht geschützt, eine Einschätzung der Fähigkeiten des Arztes demnach schwer möglich.

Der innige Wunsch den Körper nach den eigenen Vorstellungen zu verändern und das bestenfalls so schnell wie möglich, kann den Blick für das Wesentliche verschleiern. Viel zu selten wollen sich zukünftige Schönheitsoperationswillige mit der eingehenden Recherche über die Qualifikation des Arztes auseinandersetzen. Zudem ist es gar nicht so leicht im Internet Informationen bezüglich der Erfahrungen des Arztes auf dem betreffenden Behandlungsgebiet ausfindig zu machen. So werden Bedenken gern aufgrund des verführerischen Preises wegeschoben, auch auf Kosten der Gesundheit.

Sprachbarrieren und fehlende Nachsorge

Ein ästhetisch-plastischer Eingriff bedingt ein uneingeschränktes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Aufgrund von Sprachbarrieren kann es leicht zu Missverständnissen oder ungenügender Aufklärung über mögliche Risiken kommen. Vorgespräche, die meist, wenn überhaupt über das Telefon stattfinden, können schwerlich die notwendige Vertrauensbasis bilden. Weder sind eingehende Voruntersuchungen möglich noch kann dem Patienten eine ausreichende Bedenkzeit eingeräumt werden. Solch ein Vorgehen ist äußerst unseriös, denn dem Patienten muss die Gelegenheit eingeräumt werden, die Informationen aus dem Vorgespräch verarbeiten zu können, um sich darüber klar zu werden, ob unter diesen Voraussetzung und den möglichen Risiken eine OP noch immer in Frage kommt.

Es ist im Fall von Plastisch Ästhetischen Eingriffen von größter Wichtigkeit, dass Patient und Arzt sich detailliert über die Erwartungen und Möglichkeiten austauschen können. Machen Sprachbarrieren dies unmöglich, sind häufig Nachkorrekturen – meist bei deutschen Ärzten – notwendig, weil die Operation nicht das vom Patienten gewünschte Resultat erbracht hat. Eine Umfrage der „Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen“ kommt zu dem Schluss, dass im Schnitt auf jeden deutschen plastischen Chirurgen 3 Patienten kommen, die eine Nachoperation aufgrund einer Auslands-OP-Erfahrung benötigen.

Aber nicht nur Ergebnisse die nicht zufriedenstellend ausfallen machen Auslandsopertionen problematisch. Selbst der beste Chirurg kann niemals eine Garantie für die Komplikationslosigkeit eines Eingriffes geben. Hier zeigt sich, dass die Wichtigkeit gründlicher Nachsorgeuntersuchungen nicht unterschätzt werden darf, selbst wenn keine Beschwerden auftreten. Nachsorgetermine beim behandelnden Arzt im Ausland sind allerdings nicht ohne weiteres oder nur mit erneutem zeitlichen und finanziellem Aufwand realisierbar. Wenn eine Nachbehandlung nötig, beim ausländischen Arzt aber nicht möglich ist, fallen erneute Kosten für einen im Heimatland ansässigen Arzt an, die die eingesparten Kosten relativieren können.

Dieser Sachverhalt wird umso schwerwiegender unter Beachtung der abweichenden Gesetzeslage im Ausland, die Klagen aufgrund verpfuschter Schönheitsoperationen oftmals zu einem aussichtslosen Unterfangen machen. Die Verbraucherzentrale rät deshalb zum Abschluss eines Behandlungsvertrages mit dem behandelnden ausländischen Arzt, der auf deutschem Recht beruht.

Vorsicht bei günstigen Angeboten im Internet

Im Internet finden sich zahlreiche Billigangebote und Vermittlungsagenturen, die mit vollmundigen Versprechungen locken. In den meisten Fällen handelt es sich um unseriöse Anbieter, bei denen aufgrund des geringen Preises Qualitätsmängel in der Behandlung oder der Klinik höchstwahrscheinlich sind.

Nicht immer lässt sich eine Preisersparnis vollständig mit höheren Betriebs- und Lohnkosten erklären. Gerätschaften (z.B. für eine Fettabsaugung) oder Brustimplantate werden von einigen wenigen Firmen hergestellt und sind für Kliniken im Ausland mit den gleichen Anschaffungskosten wie in Deutschland verbunden. Man muss sich immer die Frage stellen, wie ein teilweise dreifach niedrigerer Preis zustandekommen kann und ob evtl. Kosten zum Nachteil des Patienten eingespart werden. Gerade wenn es um die körperliche Gesundheit geht sollte Qualität an oberster Stelle stehen.

Häufig treiben auch versteckte Kosten, wie z.B. Vermittlungsgebühren oder nicht inkludierte Nachsorgeuntersuchungen, den Behandlungspreis im Nachhinein in die Höhe. Aus diesem Grund ist von solcherart Angeboten unbedingt Abstand zu nehmen und infrage kommende Kliniken lieber direkt zu kontaktieren oder neutrale Expertenmeinungen einzuholen.

Der psychische Druck zur Durchführung

Ist erst einmal eine OP im Ausland gebucht, ist der Druck zur Durchführung enorm hoch. Man hat kaum eine Chance, von der Behandlung Abstand zu nehmen. Schließlich wurde bereits eine Reise gebucht und die OP bezahlt.

Der selbstständig betriebene Organisationsaufwand führt im Endeffekt dazu, eine Belohnung erhalten zu wollen. Ein spontanes Abspringen, wenn man im Ausland ist, würde einem Versagen gleichkommen.

Auch wenn Mängel bezüglich der Klinik auffallen oder gar das Verhältnis zum behandelnden Arzt nicht auf Vertrauen oder Sympathie basiert, gehen viele Patienten dennoch eine OP ein. Sie fühlen sich durch die äußeren Umstände dazu gedrängt, nehmen aber eine Behandlung in Kauf, da die Organisation inklusive Reise und geplanter Erholungszeit im Ausland einen Urlaub suggerieren.

Gerade in Bezug auf eine Schönheitsoperation gilt es, alle notwendigen gesundheitsentscheidenden Faktoren zu betrachten. Psychisch wahrgenommener Druck wirkt entgegen der Prinzipien einer freien Entscheidung, doch sind sie für das allgemeine Wohlbefinden maßgeblich und relevant.

Im Zweifelsfall keine OP

Die Entscheidung für eine Schönheitsoperation im Ausland kann also deutlich teurer zu stehen kommen als zunächst angenommen. Die Überlegung, seiner Gesundheit zuliebe, den zunächst höher erscheinenden finanziellen Aufwand einer in Deutschland durchgeführten Operation in Kauf zu nehmen, erscheint aufgrund der dargelegten Fakten wichtig und sinnvoll.

Ausländische Spezialisten können durchaus fachliche Kompetenz besitzen und nicht in jedem Fall sind die Kliniken schlecht ausgestattet. Aus diesem Grund ist eine sorgfältige Information über den Arzt und Klinik unabdingbar, sollte ein Eingriff im Ausland vorgezogen werden. Sobald geringste Zweifel an Kompetenz oder Qualität aufkommen, ist von einer Operation in jedem Fall lieber Abstand zu nehmen. Die Folgen unsachgemäßer Operationen können, im Hinblick auf Langzeitschäden oder sogar Entstellungen, beachtlich sein und dürfen keinesfalls unterschätzt werden.

Vorsicht ist geboten bei:

  • zu günstigem Behandlungspreis (z.B. Brustvergrößerung unter 3000€)
  • keiner Nachprüfbarkeit der ärztlichen Qualifikation und Erfahrung
  • Verständigungsschwierigkeiten mit dem Arzt
  • ungenügender oder fehlender Risikoaufklärung
  • nicht im Behandlungspreis enthaltener Nachsorge
  • zu nah beieinander liegender Voruntersuchung und OP-Termin
  • mangelhafter Ausstattung und Hygienestandards der Klinik
  • Versprechen bereits am Tag nach OP nach Hause gehen zu können

Grundsätzlich sollte die eigene Gesundheit im Vordergrund stehen und eine Entscheidung niemals leichtfertig getroffen werden. Es ist immer besser, die Risiken so gering, die Qualität aber so hoch wie möglich zu halten, auch wenn dies mit höheren Kosten verbunden ist.