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Welche Möglichkeiten der Eigenbluttherapie gibt es?

Eine Behandlung mit dem eigenen Blut klingt zunächst einmal ziemlich befremdlich. Jedoch findet die als PRP-Methode (Platelet-Rich Plasma) bekannte Therapie bereits seit Jahren, vor allem in der Naturheilkunde zur Stärkung des Immunsystems, viele Anhänger.

In der Schulmedizin eingesetzt, soll sie Verletzungen schneller heilen lassen oder auch arthritische Beschwerden lindern. Unter ästhetischen Gesichtspunkten ist der regenerierende Effekt auf die Haut, das sogenannte Vampir-Lifting, von Bedeutung und selbst Probleme mit Haarausfall können mit der PRP-Therapie gelindert werden.

Eigenbluttherapie (PRP) in der Medizin

Aktivierung des Immunsystems durch Fremdkörperreiz

Entdeckt wurde die Eigenbluttherapie durch einen Berliner Chirurgen im Jahr 1905. Er beobachtete eine beschleunigte Heilung von Knochenbrüchen, die mit einer gleichzeitigen Blutergussbildung einhergingen. Er ging davon aus, dass durch die Einblutung das Immunsystem aktiviert würde.

Darauf folgten Injektionen von patienteneigenem Blut in Bruchstellen des Knochens. Das Konzept der Eigenbluttherapie wurde in der folgenden Zeit vor allem von Heilpraktikern in der Naturheilkunde eingesetzt, wobei die Wirksamkeit wissenschaftlich nicht bestätigt ist.

Wird Eigenblut gespritzt, muss der Körper auf diesen Reiz reagieren. Durch die im Blut gelösten toxischen Stoffe, Antikörper und Antigene kommt es zum sogenannten Fremdkörperreiz. Das Immunsystem reagiert entsprechend mit der Produktion von Antikörpern zur Abwehr dieser. Das auf Hochtouren arbeitende Immunsystem soll eine deutlich schnellere Genesung zur Folge haben.

Wie funktioniert die Eigenbluttherapie?

Zunächst wird dem Patienten 10-15 ml Blut aus der Armvene entnommen und dieses mit Hilfe einer Zentrifuge in seine Bestandteile zerlegt. Injiziert wird letzten Endes lediglich das Plasma mit den Thrombozyten (Blutplättchen).

Anschließend erfolgt der Rücktransfer in den Körper des Patienten. Die Injektionsstelle ist abhängig vom gewünschten Wirkungsort, bspw. das Gesicht beim Vampir-Lifting oder das arthritische Knie.

Die Behandlungsdauer gestaltet sich sehr kurz. Innerhalb von ca. 15 Minuten ist sie abgeschlossen und der Patient kann nach Hause gehen. Allerdings sind für einen sicht- oder fühlbaren Effekt meistens mehrere Behandlungen zu veranschlagen.

Ablauf der PRP-Therapie im Überblick

  1. Blutabnahme aus dem Arm (ca. 10 – 15 ml)
  2. Aufbereitung & Zerteilung des Blutes in einer Zentrifuge
  3. Injektion des aufbereiten Blutplasmas an die gewünschte Stelle

Wofür kann Eigenblut eingesetzt werden?

Im Spitzensport kommt die Eigenbluttherapie schon seit Jahren zum Einsatz. Dort ist sie sehr verbreitet zur Behandlung von Sportverletzungen. Eingesetzt wird sie bei vielen verschiedenen Indikationen, wie etwa Brüchen, aber auch Sehen-, Muskel- oder Bandverletzungen.

Nicht zu verwechseln ist die gesetzlich gestattete Eigenbluttherapie zur Behandlung von Verletzungen oder Stärkung des Immunsystems mit dem Eigenbluttransfer zu Dopingzwecken. Um einen leistungssteigernden Effekt zu erzielen, ist eine deutlich höhere Menge an Blut notwendig als konventionell genutzt. Zusätzlich erfolgt in den meisten Fällen die Kombination aus Eigenbluttransfer und Erythropoietin (EPO).

Besonders viel Aufsehen erregte die Eigenbluttherapie als Behandlungskonzept bei Arthrose. Wenn der Körper alters- oder krankheitsbedingt den Gelenkknorpel nicht mehr selbstständig regenerieren kann, kommt es durch die Abnutzung zu einer Reibung von Knochen auf Knochen. Die Schmerzen der Betroffenen entstehen daraufhin durch eine Entzündung im Gelenk.

Das plättchenreiche Plasma wird direkt mit einer Doppelspritze in das Gelenk injiziert. Die im Blut enthaltenen Wachstumsfaktoren und Enzyme führen zu einer Linderung der Entzündung. Mit einer einzigen Injektion ist den Schmerzen in den meisten Fällen jedoch nicht beizukommen. Der Patient muss, je nach Ausmaß der Erkrankung mit ungefähr 4-6 Behandlungen rechnen.

Einsatzgebiete in der ästhetischen Medizin

Injektion in das Gesicht einer jungen Frau

Die regenerierenden Eigenschaften körpereigener Blutinjektionen finden auch in der ästhetischen Medizin Anwendung und sollen sich positiv auf das Hautbild auswirken. Im sogenannten Vampir-Lifting kommt Eigenblut zur Behandlung leichter Falten um Augen und Mund sowie auf dem Dekolleté und am Hals zum Einsatz.

Ein ausgeprägter Straffungseffekt, wie beim operativen Facelifting kann von dieser Methode nicht erwartet werden. Allerdings wirkt der Teint nach der Behandlung frischer und geglättet.

Auch Verletzungen der Haut sollen durch die Wachstumsfaktoren, die die Neubildung von Kollagen und Blutgefäßen anregen, schneller zur Abheilung gelangen. Sogar leichte Narben können durch Eigenblutinjektionen weniger auffällig erscheinen.

Sind jedoch deutliche Narben aufgrund von Akne, Unfällen oder Operationen vorhanden, eignet sich die PRP-Methode nur als unterstützende Maßnahme in Kombination mit einer Laser-Behandlung oder einem Micro-Needling.

Ganz ähnlich funktioniert die Eigenbluttherapie bei beginnendem Haarausfall. In mehreren Sitzungen wird dem Patienten sein aufbereitetes Blut in die Kopfhaut injiziert und sorgt für eine bessere Versorgung der Haarwurzel. Lichte Stellen fallen weniger auf, und unter Umständen lässt sich der genetisch bedingte oder durch Krankheit verursachte Haarausfall aufhalten.

Auch in einer Kombination mit einer Haartransplantation bei fortgeschrittenem Haarausfall kann die PRP-Therapie gut eingesetzt werden.

Die Injektion des Blutes erfolgt dabei immer mit einem speziellen Aufsatz mit mehreren feinen Nadeln, die das Blut gleichmäßig in die Haut einbringen. Erfolge stellen sich nicht sofort, sondern erst nach einigen Wochen ein.

Gibt es Nebenwirkungen bei der Eigenbluttherapie?

In der Regel sind von einer Eigenbluttherapie keine starken Nebenwirkungen zu erwarten. Diese Behandlung erfreut sich gerade deshalb so hoher Beliebtheit, weil sie sehr natürlich ist und keine Fremdkörper in den Organismus gelangen.

Rund um die Einstichstelle der Nadel kann es zu einer vorübergehenden Rötung und/oder Erwärmung kommen. Möglich sind auch Unverträglichkeitsreaktionen, wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Fieber, die sich vor allem bei empfindlichen Personen einstellen können.

Einige Menschen sollten von der Eigenbluttherapie lieber Abstand nehmen. Blutgerinnungsstörungen, Venenentzündungen und Tuberkulose sind eindeutige Kontraindikatoren für die Behandlung.

Keine eindeutig bewiesene Wirksamkeit

Es gibt für die Wirksamkeit der Eigenbluttherapie keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege. Einzelne kleine Studien konnten zwar einen Effekt ermitteln, diese sind jedoch sowohl mengenmäßig als auch in ihrem Umfang nicht aussagekräftig genug. Dies ist auch der Grund, weshalb Krankenkassen die Behandlungskosten von ca. 80 Euro pro Sitzung nur in äußerst seltenen Fällen übernehmen.