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Warum Make-up, Nagellack oder Piercings bei OPs tabu sind

Das äußere Erscheinungsbild wird üblicherweise regelmäßig gepflegt und mithilfe verschiedener Kosmetika unterstützt. Kaum eine Frau verzichtet auf Make–up, Nagellack oder Schmuck. Auch Männer tragen mittlerweile mehr auf, sei es auch nur im Rahmen von Körperschmuck, Piercings oder leichtem Puder. Das Auflegen von Schminke und Schmuck sind ritualisierte Gewohnheiten und so natürlich wie das Zähneputzen. Ohne das tägliche Make-up oder den gewohnten Schmuck kommt man sich schlichtweg „nackt“ vor.

In manchen Fällen ist aber der Verzicht darauf notwendig und sinnvoll. Steht bspw. eine Operation an, verlangen Ärzte, jeglichen Schmuck bzw. jedes Piercing sowie auch Make–up und Nagellack zu entfernen. Im OP-Saal haben sie aus versorgungstechnischen Gründen nichts verloren.

Kein Nagellack bei Operationen

Ohne Piercings in den OP

Piercings gehören heutzutage zum gängigen Erscheinungsbild. Sie können sich an diversen Stellen befinden und verzieren den Körper auf individuelle Weise. Steht aber eine Operation an, müssen sie, grundsätzlich wie jeder andere Metallschmuck, vollständig entfernt werden, um Komplikationen zu vermeiden.

Der menschliche Körper besteht zum Großteil aus Wasser, was bedeutet, dass er Strom hervorragend leitet. Während einer Operation werden häufig Blutgefäße angeschnitten oder durchgeschnitten, die hinterher mit Strom wieder verödet werden müssen. Es wäre dementsprechend gefährlich Metall-Piercings zu tragen, da es an den entsprechenden Hautstellen um das Piercing herum, aber auch weiter davon entfernt, zu schweren Verbrennungen kommen könnte.

Natürlich spielt auch das Argument der Hygiene eine entscheidende Rolle für das Ablegen der Piercings. Unter ungünstigen Umständen können sie Wundinfektion begünstigen, für die letztlich der operierende Arzt haftbar gemacht werden kann. Sterile und hygienische Bedingungen sind im OP-Saal zwingend notwendig und müssen nach Möglichkeit seitens der Patienten und der Klinik maximal eingehalten werden.

Kein Nagellack, falsche Fingernägel oder Make-up während der OP

Nagellack, falsche Fingernägel und Make-up müssen vor einer Operation ebenfalls entfernt werden.

Hierbei sind weniger hygienische Gründe ausschlaggebend als die Möglichkeit des Arztes oder des Krankenpersonals, plötzlich auftretende Komplikationen beim Patienten unmittelbar zu erkennen. Eine unverfälschte Sicht auf das Gesicht, Finger und die Zehen dienen der allgemeinen Krankenbeobachtung. Der Arzt sieht bereits an der Farbe der Fingerspitzen oder an der Durchblutung der Haut, ob der Patient Störungen hinsichtlich der Sauerstoffversorgung entwickelt, und kann im Notfall sofort agieren.

Er unterscheidet zwischen drei Nuancen:

  • Rosige Farbe: ausreichende Sauerstoffversorgung
  • Fahle Blässe: zu geringe Sauerstoffversorgung
  • Bläuliche Verfärbung (Zyanose): massive Sauerstoffunterversorgung

Auch sind die Messwerte der Sauerstoffsättigung im Blut über ein Pulsoxymeter, das während der OP an den Finger angebracht wird, genauer ohne Nagellack, weil die Leitfähigkeit nicht beeinträchtigt wird. Allerdings haben Studien ergeben, dass Messungen bei Patienten mit Nagellack ebenfalls problemlos möglich seien. Der Einfluss des Nagellacks liege, abhängig von seiner Farbe, mit +/- 2 % innerhalb der Fehlertoleranz des Pulsoxymeters und ist daher nicht von klinischer Relevanz für die medizinische Behandlung. Allerdings gibt es keine Studien zu modernen Pigementlacken.
Letztlich sollte sich ein Patient keiner Notsituation ausliefern, indem er seine Piercings oder sein Make-up nicht entfernt.

Fazit

Die vorsorgliche Entfernung von Schmuck und Kosmetik dient immer dem Wohl des Patienten, was stets oberste Priorität hat. Der freie, unverfälschte Blick auf den Patienten, der operiert wird, ist mindestens genauso aufschlussreich wie der Einsatz elektronischer Kontrollgeräte. Nach einer überstandenen OP befinden sich die Patienten immer in einem Aufwachraum und werden in dieser Ruhephase von der Überwachung genommen. Das Personal, das seine Patienten versorgt, hat dementsprechend nur die Möglichkeit, auf die äußeren Zeichen zu achten und auf auffällige Veränderungen, sichtbar auf Gesicht, Haut und Nägeln, zu reagieren.