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Ernährung vor und nach Operationen

Chirurgische Eingriffe bedeuten Stress für den Körper und sind mit einem gewissen Komplikationsrisiko verbunden. Wissenschaftliche Studien finden immer öfter einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem sogenannten perioperativen Ernährungszustand und der Häufigkeit von Komplikationen während Operationen. Grund genug vor anstehenden plastisch-chirurgischen Eingriffen vermehrt auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Doch wie läuft die Regeneration des Körpers eigentlich ab und wie sollte die optimale Ernährung aussehen?


Wie ernähre ich mich vor und nach einer Operation richtig?


Diätverbot vor Operationen

Spätestens wenn die Entscheidung zugunsten einer Schönheitsoperation getroffen ist, müssen die Nährstoffspeicher des Körpers aufgefüllt werden. Das sorgt für ein funktionsfähiges, starkes Immunsystem.

Ist der Körper mit wichtigen Nährstoffen unzureichend versorgt, geht er an seine Reserven. Das kann negative Auswirkungen auf das Immunsystem nach sich ziehen und die Heilung deutlich verlangsamen.

Befindet sich der Körper bereits vor der OP in einem guten Versorgungszustand, treten während der Operation weniger häufig Komplikationen auf, und der Patient ist nach der OP schneller wieder fit. Kurz vor der Operation mit einer Diät zu beginnen, ist deshalb ungünstig.

Die früher vorherrschende Meinung, dass der Magen-Darm-Trakt vor und nach Operationen möglichst nicht belastet werden sollte, ist mittlerweile in verschiedensten Studien widerlegt worden. Es konnte gezeigt werden, dass bei einer guten Nährstoffversorgung Krankenhausaufenthalte deutlich reduziert werden können.

Ernährung und Vollnarkose

Findet die Operation unter Vollnarkose statt, darf bis zu 6 Stunden vorher keine feste Nahrung mehr aufgenommen werden. Die gesamte Körpermuskulatur erschlafft während der Narkose. Schutzmechanismen, die den Rückfluss der Nahrung in die Speiseröhre verhindern, sind demnach nicht funktionsfähig und es besteht die Gefahr, dass Mageninhalt in die Luftröhre gelangt.

Im Optimalfall besteht die letzte Mahlzeit vor einer Operation aus leicht verdaulichen Komponenten. Auf schwer verdauliche Lebensmittel, z.B. Fleisch oder Hülsenfrüchte, sollte bis zu 18 Stunden vor dem Operationstermin verzichtet werden.

Bis zu 12 Stunden vor der Narkose darf kein Alkohol mehr getrunken werden. Ratsamer ist der Verzicht aber schon in Vorbereitung auf die Operation und selbstverständlich auch danach, da der Körper sich ausschließlich auf die Heilung konzentrieren sollte.

Bis zu 2 Stunden vor dem Eingriff können klare Flüssigkeiten aufgenommen werden, weil diese im Regelfall den Magen durch spezielle Kanäle schnell wieder verlassen.

Wann nach dem Eingriff wieder gegessen und getrunken werden kann, ist von der jeweiligen Operation abhängig und kann recht unterschiedlich sein. Studien weisen darauf hin, dass es nicht bei jedem operativen Eingriff notwendig ist, mit der Nahrungsaufnahme zu warten und empfehlen Suppen oder Fruchtjoghurt unmittelbar im Anschluss. In der Regel wird jedoch bis zu 6 Stunden gewartet. In dieser Hinsicht liegt die Entscheidung beim behandelnden Arzt.

Kurzübersicht zur Ernährung vor einer Vollnarkose
Stunden vor der Narkose / OPNahrungsaufnahme
18 StundenVerzicht auf schwer verdauliche Lebensmittel wie Fleisch oder Hülsenfrüchte
12 StundenPatienten dürfen keinen Alkohol mehr trinken
6 StundenKeine feste Nahrung mehr essen
2 StundenKlare Flüssigkeiten dürfen weiterhin aufgenommen werden

Ernährung nach der Operation

Eine Operation ist für den Körper eine Ausnahmesituation. In der darauffolgenden Zeit sind alle Vorgänge auf die schnelle Wiederherstellung der normalen körperlichen Funktion konzentriert.

Durch eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung können die Reparaturmechanismen unterstützt und das Risiko für Komplikationen gemindert werden. Es ist selbstverständlich nicht notwendig, ein Ernährungstagebuch zu führen oder teure Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Die Empfehlungen für eine gesunde Ernährungsweise gelten auch nach Operationen.

In Deutschland ist die Versorgung mit essentiellen Nährstoffen, bis auf einige wenige Ausnahmen, gesichert. Viel frisches Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte und hochwertiges Protein aus Fisch, Milchprodukten oder auch Hülsenfrüchten unterstützen die Regenerationsprozesse des Körpers am besten.

In Fleisch findet sich ebenfalls viel Protein, welches durch die Ähnlichkeit zum menschlichen Eiweiß optimal verwertet werden kann. Allerdings enthält es oftmals auch erhebliche Mengen an gesättigten Fettsäuren. Der Konsum sollte sich aus diesem Grund auf 300 – 600 g pro Woche beschränken.

Antioxidantien unterstützen das Immunsystem

Nach einer Operation arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren. In dieser Zeit ist die Versorgung mit allen essentiellen Nährstoffen von großer Bedeutung. Insbesondere Infektionen können sich lediglich dann entwickeln, wenn das Abwehrsystem des Körpers nicht optimal funktioniert.

Die Vitamine A, C und E haben einen antioxidativen Effekt und unterstützen körpereigene Abwehrmechanismen. Vitamin C Supplementation zeigte in Studien zudem eine beschleunigte Wundheilung. Um den Vitaminbedarf zu decken, ist der Verzehr von viel frischem Obst und Gemüse der beste und einfachste Weg.

Vitamin E findet sich in hohen Konzentrationen in Weizenkeim-, Sonnenblumen- und Olivenöl.

Wundheilung führt zu gesteigertem Nährstoffverbrauch

Im Hinblick auf die spätere Wundheilung haben Studien Zusammenhänge zwischen der Kalorienmenge und der Schnelligkeit der Wundheilung finden können. Gerade wenn die Wunde noch frisch ist, liegt der zusätzliche Energieverbrauch, den der Körper für die Heilungsprozesse aufbringen muss, bei ca. 20 %.

Auch wenn man sich nach der Operation schont, also weniger bewegt als sonst, ist eine zu drastische Kalorienreduktion ungünstig. Das gilt vor allem dann, wenn einfache Bewegungen durch die Operationswunde viel schwerer als sonst fallen und somit den Kalorienverbrauch zusätzlich anheizen.

Die Heilung einer Wunde unterteilt sich in verschiedene Phasen an deren Anfang eine Reinigung steht. Für diese Phase sind Hormone des Immunsystems unerlässlich.

Einerseits tragen sie Sorge dafür, dass Krankheitserreger, die durch die Wunde in den Körper eindringen können, abgewehrt werden. Andererseits geben sie das Signal für den Beginn der Heilungsphase. Anschließend bildet sich neues Bindegewebe für den Wundverschluss durch verstärkte Zellteilung.

Neben einem guten Immunsystem, verbraucht der Körper in dieser Phase vermehrt Eiweiß, Flüssigkeit, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Vor allem Zink spielt in diesem Zusammenhang als Hilfsstoff in der Proteinsynthese und Zellteilung eine bedeutende Rolle.

Zink ist vor allem in tierischen Lebensmitteln, wie Fleisch und Fisch enthalten. Relevante Mengen finden sich zudem in Käse, Haferflocken, Nüssen, Soja und Linsen. Genügend Mineralstoffe werden durch den regelmäßigen Verzehr von Gemüse, Fleisch, Fisch und Obst aufgenommen.

Proteinreiche Ernährung scheint sich auch im Hinblick auf körperlicher Immobilität nach einer Operation positiv auszuwirken. Sie verhindert den Abbau von Muskelmasse, der automatisch einsetzt, wenn ein Muskel über einen längeren Zeitraum nicht genutzt wird, um Energie zu sparen. Das muskuläre Protein wird ebenfalls abgebaut, wenn eine ernährungsbedingte Unterversorgung vorliegt.

Omega-3-Fettsäuren senken das Infektionsrisiko

Omega-3-Fettsäuren haben einen positiven Effekt auf Entzündungsmediatoren (körpereigene Stoffe, die eine Entzündungsreaktion des Körpers einleiten oder aufrechterhalten) und regen die Durchblutung an.

Die DGE empfiehlt eine gesteigerte Aufnahme dieser Fette sowie eine gemäßigtere Aufnahme gesättigter Fettsäuren für alle Bevölkerungsgruppen. Um Komplikationen durch Entzündungen zu vermeiden und zu einer schnelleren Wundheilung beizutragen, sollten diese guten Fette nach einer Operation häufiger auf dem Speiseplan stehen.

Leider sind sie nicht in so vielen Lebensmitteln zu finden, wie gesättigte Fettsäuren. Für Nicht-Vegetarier ist die beste Quelle fetter Kaltwasserfisch, wie Thunfisch oder Lachs.

Vegetarische Alternativen mit einem hohen Omega-3-Fettsäurenanteil sind Lein- oder Chiaöl sowie Walnüsse und Leinsamen. Auch bestimmte Algen enthalten viele Omega-3-Fettsäuren, aus denen fischölfreie Nahrungsergänzungsmittel hergestellt werden. Diese können zur Bedarfsdeckung bei unzureichender Versorgung nützlich sein.