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Positive Wirkungen von Botox in der Medizin

Botox-Injektionen zur Faltenbehandlung sind den meisten Menschen ein Begriff und haben in diesem Einsatzgebiet Berühmtheit erlangt. Doch neben dem kosmetischen Einsatz kommt es auch in der Medizin zur Behandlung verschiedenster Krankheiten und Dysfunktionen zum Einsatz. Teilweise lassen sich mit Botox wesentlich bessere Behandlungsergebnisse erzielen als mit konventionellen Therapieansätzen.

Botulinum in der Medizin

Was ist Botox und wie wirkt es?

Bei handelsüblichem Botulinumtoxin (BTX) handelt es sich um verschiedene von Bakterien (Clostridium botulinum) gebildete neurotoxische Proteinkomplexe. Erstmals konnte das toxinbildende Bakterium aus verdorbenen Lebensmitteln isoliert werden, die Lebensmittelvergiftungen auslösen können.

Ihr Wirkungsmechanismus beruht auf der Unterbrechung oder Schwächung der Erregungsleitung in den Nervenzellen und einer damit verbundenen Hemmung der Muskelkontraktion. Im Verlauf der Entdeckung konnte in Experimenten nachgewiesen werden, dass geringe Dosen des Toxins durchaus positive Effekte auf den menschlichen Körper haben können und wurden daraufhin therapeutisch genutzt.

Bereits seit 1980 findet vor allem Botulinumtoxin Typ A in der Neurologie als Medikament Verwendung. Es wird biotechnologisch erzeugt. Vor allem bei Erkrankungen die durch eine Störung der Motorik ausgelöst werden und zu unkontrollierten Muskelkrämpfen führen, kann Botox den Patienten für einige Monate Linderung und ein normales Leben ermöglichen.

Gute Erfolge werden beispielsweise in der Behandlung unkontrolliert zuckender Augenmuskeln, dem Sprachapparat – was zu Schluckbeschwerden führen kann – und in der Blasenmuskulatur erzielt. Die Injektion erfolgt dabei subkutan oder intramuskulär.

Wie auch bei der Faltenbehandlung behindert das injizierte Botulinumtoxin die Freisetzung eines Neurotransmitters (Acetylcholin) an Motoneuronen, der für die Übertragung von Nervenimpulsen verantwortlich ist. Da keine Reizübertragung mehr stattfinden kann, ist der Muskel daraufhin lahmgelegt.

Der Prozess kann nicht umgekehrt werden. Trotzdem stellt sich nach einer Botoxbehandlung die normale Reizübertragung nach einigen Monaten wieder ein. Der Grund warum keine dauerhafte Lähmung des Muskels eintritt, besteht in dem Aufbau neuer Nervenverbindungen, die eine sukzessive Funktionswiederaufnahme bewirken.

Die vielfältigen Einsatzgebiete von Botulinumtoxin

Wie bereits erwähnt, kann Botulinumtoxin in verdünnter Form zur Behandlung von Muskelspastiken zum Einsatz kommen. So wird zum Bespiel ein Lidkrampf (Blepharospasmus) therapiert, der unter andrem ein Entropium hervorrufen kann. Das ist eine schmerzhafte Lidfehlstellung bei der sich das Unterlid nach innen richtet und die Wimpern am Auge streifen und dieses schädigen können.

Darüber hinaus gibt es jedoch noch vielfältige weitere Einsatzgebiete.

Botox zur Entfernung von Falten

In der ästhetischen Medizin eignet es sich zur Behandlung von mimischen, also normalerweise unbewusst ständig in Bewegung befindlicher Falten. Vor allem Zornes- und Sorgenfalten auf der Stirn sowie Krähenfüße, herabhängende Mundwinkeln, Oberlippenfalten oder Augenbrauenliftings werden mit Botox durchgeführt.

Leichtere Fältchen verschwinden durch die partiell induzierte Entspannung vollständig, tiefere werden deutlich gemildert. Der Effekt hält bis zu 4 Monate und kann danach in einer Folgebehandlung aufgefrischt werden.

Botulinumtoxin bei Blasenproblemen

Eine ganze Reihe von Blasenproblemen, z.B. Inkontinenz oder neurogene Entleerungsstörungen, können durch eine Injektion in die glatte Basenmuskulatur für einige Monate gelindert werden. Hier kommt es allerdings erst als letzte Behandlungsmöglichkeit in Betracht, wenn andere Therapien keine Wirkung gezeigt haben.

Die Injektion von Botulinumtoxin erfolgt direkt an unterschiedlichen Stellen in der Blasenmuskulatur, was zu einer partiellen Lähmung dieser führt. Die gesamte Blasenmuskulatur wird dadurch von Verspannungen befreit. Sie kann mehr Volumen fassen, bevor der Patient ein Gefühl des Harndrangs verspürt bzw. der Harn kann deutlich länger in der Blase gehalten werden.

Botulinumtoxin bei einer vergrößerten Prostata

Genauso lässt sich eine vergrößerte Prostata behandeln. Die gutartige Vergrößerung des Prostatagewebes bewirkt einen Druck auf die Harnröhre, die durch die Prostata verläuft.

Damit verbundene Probleme, wie vermehrter Harndrang oder eine unvollständige Blasenentleerung, können durch eine Botox-Injektion für 8 – 12 Monate verschwinden. Auch hier ist eine regelmäßige Wiederholung der Injektion für den Behandlungserfolg entscheidend.

In manchen Fällen konnte die Prostatavergrößerung durch wiederholte Botulinumtoxin-Behandlung sogar aufgehalten werden.

Botox gegen starkes Schwitzen

Auch übermäßige Schweißproduktion (Hyperhidrosis) an Achseln, Handinnenflächen und Fußsohlen können durch Botox eingedämmt werden.

Zur Behandlung werden mehrere Einstiche in die zu hemmenden Schweißdrüsen vorgenommen. Auch bei der Schweißproduktion spielt Acetylcholin als Botenstoff eine Rolle. Der Reiz, der notwendig ist, um die Produktion von Schweiß in den Drüsen anzuregen, kommt bei diesen nicht mehr an und verhindert so das übermäßige Schwitzen.

Nach der Injektion dauert es bei den meisten Patienten ca. 2 – 4 Wochen bis sich die Schweißproduktion um die Hälfte verringert. Der Effekt kann bis zu 12 Monate anhalten, bevor die Behandlung wiederholt werden muss.

Botox zu Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen

Seit 2011 darf das Nervengift auch zur Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerzen eingesetzt werden. Botulinumtoxin eignet sich zur prophylaktischen Behandlung chronischer Migräne, bei denen andere Medikamente nicht mehr anschlagen.

Chronische Migräne wird mit einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit durch eine Übererregung im Hirn in Zusammenhang gebracht. Die Injektion erfolgt in diesem Fall in bestimmte Muskeln des Halses oder Kopfes.

Neben der Freisetzung bestimmter Neurotransmitter hemmt die Gabe von Botox auch die Übererregung, wodurch es als Medikament zur Vorbeugung ideal geeignet ist. Die Wirksamkeit von Botulinumtoxin bei Spannungskopfschmerzen ist in Studien noch nicht eindeutig bewiesen worden.

Jedoch berichteten Patienten als Nebeneffekt ihrer Faltenunterspritzung im Stirnbereich von einer Verminderung ihrer Kopfschmerzen, die vermutlich auf eine geringere Muskelanspannung zurückzuführen ist.

Botulinumtoxin gegen Zähneknrischen

Durch Stress ausgelöstes oder gewohnheitsmäßiges Zähneknirschen kann auf Dauer zu Zahnproblemen, aber auch dauerhaft verkrampfter Kiefermuskulatur führen. Bissschienen vermindern nicht das Zähneknirschen an sich, weshalb auch hier die Injektion von Botox hilfreich sein kann.

Die Injektion erfolgt direkt in die Kiefermuskulatur, in der daraufhin der Reiz zur dauerhaften Anspannung unterbrochen wird. Das führt zu einer Entspannung der überanstrengten Kiefermuskulatur.

Risiken und Nebenwirkungen von Botulinumtoxin

Trotz der vielen positiven Wirkungen von Botulinumtoxin sollte immer im Hinterkopf behalten werden, dass es sich um ein Nervengift handelt, welches überdosiert zum Tod führen kann. Aus diesem Grund ist es von enormer Wichtigkeit, jegliche Behandlungen mit Botox von einem erfahrenen Arzt durchführen zu lassen.

Das ist vor allem im Hinblick auf das zu behandelnde Zielgewebe von großer Bedeutung. Der Arzt muss sich vollständig darüber im Klaren sein, dass eine Injektion zielgenau erfolgen muss, um zu verhindern, dass das Toxin in Nachbarmuskulatur einwandert. Dies könnte erhebliche Schädigungen nach sich ziehen.

Eine weitere Nebenwirkung, die aber nur in sehr seltenen Fällen auftritt, ist die Bildung von Antikörpern gegen das Toxin. Diese Antikörperbildung ist abhängig von der injizierten Dosis und der Häufigkeit der Injektion. So gelten die oben beschriebenen Risiken in besonderem Maße für den medizinischen Einsatz, da die verwendete Konzentration des Toxins höher gewählt werden muss als in der ästhetischen Medizin.

Auch beim Botox macht also die Dosis das Gift. Das zur Faltenbehandlung einsetzte Botox wird sehr stark verdünnt, sodass auch das Risiko für Komplikationen dementsprechend geringer ausfällt.

Das Vorgespräch kann gute Hinweise in Bezug auf die Kompetenz des Arztes geben. Er sollte hinreichend auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen hinweisen, bei der Erstinjektion lieber etwas weniger Wirkstoff spritzen und eine Wiederholungsinjektion frühestens nach drei Monaten empfehlen. Botulinum-Behandlungen sind heutzutage sehr gut untersucht, sodass Nebenwirkungen bei sachgemäßer Anwendung nur noch selten auftreten.

Zukünftige Einsatzgebiete

In Tierversuchen konnte Botulinumtoxin, welches ins Gehirn injiziert wurde, epileptische Anfälle verhindern. Die Studien in diese Richtung stehen noch ganz am Anfang und es ist ungewiss, ob sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen.

Selbst die Zerstörung von Nervenzellen, die mit Epilepsie einhergehen kann, konnte durch Botox verhindert werden. Doch damit nicht genug. Botulinumtoxin konnte bei zahlreichen Erkrankungen, die im Wesentlichen auf einer gestörten Reizübertragung beruhen, Erfolge erzielen.

Dazu gehören unter anderem Schielen, Asthma, Tennisarm, Heuschnupfen, Arthritis, bestimmte gastroenteronale Erkrankungen, Querschnittslähmung, chronischer Analfissur oder auch schlicht und einfach Schmerzen im Nacken oder Rücken. Die genannten Anwendungen sind in Deutschland noch nicht zugelassen, werden aber vor allem in den USA schon länger praktiziert.

Der Vorteil aller Botox-Therapien ist in jedem Fall die Schnelligkeit der Anwendung. Das Injizieren mit Hilfe einer feinen Nadel ist eine Minutenangelegenheit. Außerdem verursacht der Einstich kaum Schmerzen und die Wirkung tritt relativ schnell (oft schon nach ein paar Stunden) ein.

Da die Nervenzellendigungen sich jedoch erneut ausbilden, müssen alle beschriebenen Behandlungen in regelmäßigen Abständen erneut durchgeführt werden, um eine dauerhafte Linderung der Beschwerden zu ermöglichen.