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Mehr Botox und Hyaluron - Nichtinvasive Behandlungen erleben einen Boom

DGÄPC-Präsident Dr. Sven von Saldern und Dr. Hans-Detlef Axmann, Präsident der 44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, stellten in Berlin die Ergebnisse der bislang größten DGÄPC-Patientenbefragung vor.


Statistik

Die neueste Patientenbefragung der DGÄPC hat überraschende Einblicke in die aktuellen Trends geliefert. “Minimalinvasive Behandlungen sind in der ästhetischen Medizin so gefragt wie nie”, unterstreicht DGÄPC-Präsident von Saldern mit Blick auf die beliebtesten Eingriffe. Betrug der Anteil der nicht- oder minimalinvasiven Methoden im Jahr 2015 noch 25,4 Prozent, so zählen laut aktueller DGÄPC-Statistik 40,1 Prozent aller vorgenommenen Behandlungen zu den sogenannten sanften Verfahren.

Nichtinvasive Faltenunterspritzungen massiv gestiegen

Die Faltentherapie mit Fillern wie Botox (19,9 %) oder Hyaluronsäure (20,4 %) gehören zu den gängigsten Verfahren, um Falten zu unterspritzen. Etwa jeder fünfte Patient nimmt diese Therapie für sich in Anspruch. Daraus lässt sich ableiten, dass sanfte Therapiemethoden beliebter geworden sind als klassische chirurgische Eingriffe. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Die Schmerzen sind bei nichtinvasiven Verfahren deutlich geringer bis gar nicht vorhanden. Der Patient erhält ein sofort sichtbares Ergebnis nach seiner Behandlung und ist unmittelbar danach gesellschaftsfähig, ohne Ausfallzeiten in Kauf zu nehmen. All das erleichtert die Entscheidung, sich einem sanften und schnell durchführbaren minimalinvasiven Eingriff zu unterziehen. Was auch großen Einfluss auf die Entscheidung zu einer Behandlung ausübt, ist der freie Umgang mit dem Thema Schönheitsbehandlungen. Während es vor wenigen Jahren noch zum Tabu stigmatisiert wurde, sind ästhetische Eingriffe heute auch in Deutschland salonfähig geworden, nicht zuletzt durch die Informationsdichte in den Medien.

Brust-OPs weiterhin auf Platz 1

Der Anstieg an nicht – oder minimalinvasiven Verfahren bedeutet nicht, dass die plastischen Operationen abgenommen hätten. Sie sind stattdessen weiterhin konstant geblieben, sodass bei Frauen die Brustvergrößerung trotz leichter Einbußen
(2015: 20,4% / 2016: 17,8%) weiterhin zu den beliebtesten Schönheitsoperationen gehört. “Etwa jede dritte Patientin, die zu uns kommt, ist mit ihrer Brust unzufrieden”, bestätigt der Tagungspräsident Dr. Axmann. So zählen auch die Bruststraffung, die Brustverkleinerung und die Brustvergrößerung mit Eigenfett zu den beliebten Eingriffen innerhalb der Brustkorrektur, gefolgt von der Augenlidkorrektur (10,1 %) und der Fettabsaugung (7,1 %).

Überraschende Ergebnisse bei Männern

Die Liste der beliebtesten Eingriffe bei Männern im Vergleich zum Vorjahr offenbarte deutliche Veränderungen. Nach wie vor steht die Augenlidkorrektur auf dem ersten Platz. Für die Fachärzte unerwartet waren sowohl die Gynäkomastie-Behandlung (Männerbrust) als auch die Intimkorrektur, zumal gerade auf dem Gebiet der Intimchirurgie nur sehr wenige Spezialisten zur Verfügung stehen. Neu in der Top 10 Liste sind die Kinnkorrektur (2,5 %) und die Lippenkorrektur (0,8 %). Dennoch haben sich Im Vergleich zum Vorjahr Männer seltener einem ästhetischen Eingriff unterzogen. „Die männliche Patientengruppe wächst nicht so schnell wie die weibliche“, erklärt von Saldern den Trend.

Demographische Aspekte

Im Durchschnitt sind die Patienten, die einen Chirurgen aufsuchen 42 Jahre alt. Zwischen dem 25.-ten und 55.-ten Lebensjahr sind die Patienten konstant verteilt. “Es gibt für fast jedes Lebensalter typische ästhetische Korrekturen”, erklärt Axmann.”Brustvergrößerungen werden am häufigsten zwischen 20 und 30, Augenlidkorrekturen um die 60 vorgenommen.“ Meist sind es die äußeren Lebenseinflüsse, die den Wunsch nach körperlicher Veränderung unterstützen.

Es lässt sich feststellen, dass Patienten, die zeitlebens unter einem körperlichen Makel leiden, wie beispielsweise einem Nasenhöcker oder nach der Pubertät unter zu großen oder zu kleinen Brüsten, bereits im frühen Erwachsenenalter eine Korrektur durchführen lassen. Erst später, ausgelöst durch den natürlichen Alterungsprozess und damit einhergehenden funktionellen Beeinträchtigungen, folgen andere ästhetische Eingriffe. Gerade bei der Augenlidkorrektur, die in späteren Jahren durchgeführt wird, kann von funktionellen Störungen ausgegangen werden: nicht nur, dass sich die Augenlider senken und einen müden Blick hervorrufen, sondern auch die zunehmend gefühlte Schwere der Lider, führt letztlich zu körperlichen Beschwerden. Eine Korrektur befreit betroffene Patienten oftmals von ihrem Leiden.

Gründe für einen Besuch beim Facharzt

Erstmals unterschied die DGÄPC in ihrer aktuellen Patientenbefragung danach, aus welchem Grund die Befragten den Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie aufsuchten. In fast der Hälfte aller Fälle (49,1 %) suchen Patienten die Praxis auf, um sich beraten oder zu einem bestimmten Eingriff aufklären zu lassen. 41,7 Prozent der Befragten kamen wegen einer tatsächlichen Behandlung zum Facharzt – davon ein knappes Drittel aufgrund einer Auffrischung, zum Beispiel mit Botox. „Als Ästhetisch-Plastische Chirurgen arbeiten wir nicht ausschließlich am OP-Tisch“, bestätigt Axmann. „Beratung und Aufklärung stellen wichtige Aufgaben dar, da sie die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung bilden.“ Die Mitglieder der DGÄPC sind besonders stolz auf ihre Beratungsqualität. Der Mensch, der einen Plastisch-Ästhetischen Chirurg aufsucht, ist für sie in erster Linie Patient und nicht Kunde, an dem Geld verdient wird. Es geht um die ganzheitliche Betrachtung und eine sorgsame Beratung, die schließlich auch darin münden kann, dem Patienten von einem Eingriff abzuraten. Erst im intensiven Gespräch erfahren die Ärzte die tatsächlichen Beweggründe ihrer Patienten. So nimmt das Beratungsgespräch bei den Fachärzten den größten zeitlichen Anteil in Anspruch.

Kriterien für die Arztwahl

Die DGÄPC unterschied in der neuesten Umfrage auch wichtige Qualitätsmerkmale, die für die Wahl des Arztes entscheidend sind. So ergaben die Ergebnisse der Studie, dass der gute Ruf des Arztes eine sehr große Rolle spiele: 58,6 Prozent der weiblichen und 49, 8 Prozent der männlichen Befragten gaben an, dass dieses Merkmal für ihre Entscheidung maßgeblich war. Obwohl das einzig objektive Qualifiktionsmerkmal der Facharzttitel ist, steht dieser erst an fünfter Stelle. „Jeder Arzt darf sich Schönheitschirurg nennen“, gibt Axmann zu bedenken. „Aber nur ein Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie verfügt nachweislich über eine fundierte Ausbildung auf diesem Gebiet.“ Für die DGÄPC besteht daher in diesem Bereich weiterer Aufklärungsbedarf, um Patienten vor unqualifizierten Anbietern zu schützen. Was sie als positive Entwicklung feststellen konnten, ist die geringe Wichtigkeit von Internet-Portalen, auf denen sich Interessierte über den Arzt informieren können. Zwar sind sie in der Statistik aufgenommen, nehmen aber einen geringen Stellenwert ein.

Bleibendes Tabuthema für Männer

Zwar sind Schönheitsbehandlungen in der Gesellschaft angekommen, doch die Umfrage zeigt auch, dass über persönlich bevorstehende oder durchgeführte Eingriffe besonders seitens der Männer nicht gesprochen wird. „Für Männer bleiben ästhetische Behandlungen ein Tabu“, fasst von Saldern zusammen. Immerhin 24,0 Prozent der Männer gaben an, niemandem von einem geplanten oder durchgeführten Eingriff erzählen zu wollen. Für beide Geschlechter sind am ehesten Familienmitglieder Ansprechpartner, wenn es um dieses Thema geht.

Fokusthema: Körperliche oder seelische Besserung?

Fragt man die Patienten, ob sie sich von der Behandlung eine körperliche oder seelische Besserung erhoffen, so zeigt sich ein interessantes Bild bei beiden Geschlechtern. Männer möchten mit dem geplanten Eingriff explizit eine körperliche Verbesserung erreichen. Weit mehr als die Hälfte der Befragten gab hingegen an, dass sie an das Behandlungsergebnis die Hoffnung auf eine seelische Besserung knüpfen. Männer gaben mit 29,7 Prozent seltener beide Faktoren an als Frauen (35,6 %).
Wie Axmann und von Saldern festhielten, ist das Ergebnis nach einer erfolgreichen Behandlung stets eine Verbesserung des Lebensgefühls für die Patienten.