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Expertenspecial: Der After-Baby-Wohlfühl-Body

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In unserem ersten Teil zum After-Baby-Wohfühl-Body haben wir Mama-Bloggerinnen nach ihren Meinungen gefragt. Doch wie stehen Experten zu dem Thema? Wie wichtig ist es, dass sich eine frisch gebackene Mutter auch nach der Geburt ihres Kindes selbst wieder als attraktive Frau wahrnimmt und wie kann Frau dieses Wohlgefühl erreichen? Expertinnen aus den Bereichen Gynäkologie, Fitness, Psychotherapie und Geburtshilfe berichten über ihre Erfahrungen und geben Neu-Mamas wertvolle Tipps auf dem Weg zu ihrem persönlichen After-Baby-Wohlfühl-Body.

Teil 2: Das sagen die Experten

Auch als Mutter sollte das Aussehen nicht in den Hintergrund rücken. Nur wer etwas für sich tut, kann auch viel geben.

„Durch das insgesamt schlaffe Bindegewebe fühlen sich viele Frauen nach der Geburt beeinträchtigt. Vor allem der schlaffe Bauch und die hartnäckigen Kilos machen vielen zu schaffen. Ich höre in meiner Praxis oft, dass sich die Frauen besonders im ersten Jahr nach der Geburt durch das viele Stillen eher wie eine ‚Milchbar‘ vorkommen – weit entfernt von Attraktivität und körperlichem Wohlbefinden. Die in der Schwangerschaft größer gewordenen Brüste werden durch den Milcheinschuss und das Stillen manchmal sogar noch größer, wodurch ein starkes Spannungsgefühl in den Brüsten auftreten kann. Viele der Lieblingsblusen oder T-Shirts können dann nicht mehr angezogen werden und die enge Jeans sowieso nicht. Nach der Stillphase kommt als verspätetes Problem die hängende und oft auch geschrumpfte Brust, unter der viele Frauen besonders leiden.

Natürlich ist es wichtig zu akzeptieren, dass eine Schwangerschaft und Geburt meistens nicht spurlos an einem vorübergeht – dennoch sollte man nach den ersten 6 Wochen auch wieder versuchen, etwas für seinen Körper zu tun. Ich empfehle meist, ein kleines Sportprogramm einzuführen, welches folgende Punkte berücksichtigt: Wiederaufbau der Bauch- und Rumpfmuskulatur, um das Hohlkreuz der Schwangerschaft wieder auszugleichen und einen starken Rumpf aufzubauen. Zudem ist es wichtig, die Arm- und Schulterpartie zu stärken, da die frischgebackenen Mütter in der Regel viel tragen (das Baby, den Kindersitz etc.) und außerdem gerne mal eine verkrampfte Haltung beim Stillen haben. Generell halte ich es für sehr wichtig, nicht nur Mutter zu sein, sondern auch sein Aussehen zu pflegen. Zum einen für sich selbst und zum anderen auch in puncto Partnerschaft, welche durch das Elternsein häufig erstmal leidet. Denn nur wer etwas für sich tut, ist auch zufrieden und hat viel zu geben.”

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Dr. med. Sheila de Liz, Gynäkologin

Die gebürtige Amerikanerin verfolgt in ihrer Wiesbadener Praxis einen hohen Standard: ihren Patientinnen nicht nur medizinisch und menschlich optimale Betreuung zu bieten, sondern sich auch mehr Zeit für sie nehmen zu können.
Website: dr-de-liz.de



Jede Mutter kann selbst entscheiden, was zu ihrem Wohlbefinden beiträgt – ohne sich rechtfertigen zu müssen.

„Die Schwangerschaft und die Geburt bedeuten für die Frauen einen riesigen Kraftakt und eine enorme körperlich Veränderung. Schon in der Schwangerschaft hadern viele Frauen mit diesen körperlichen Veränderungen. Und obwohl ihnen immer wieder gesagt wird, wie schön sie mit ihrem Babybauch aussehen, fühlen sie sich unwohl, unattraktiv und unbeweglich. Nach der Geburt ist es für viele Frauen noch schwerer. Viele Frauen versuchen sehr viel, um die Pfunde loszuwerden und vor allem den schlanken, festen Bauch zurückzubekommen. Sie stillen ab, um Diäten durchführen zu können oder trainieren täglich ihre Bauchmuskeln und erreichen durch fehlende oder falsche Informationen das Gegenteil.

Der Wunsch der Frauen nach ihrer vorherigen Figur ist absolut nachvollziehbar und sollte auch ernst genommen werden. Sprüche wie ‚Das Bäuchlein ist doch nicht schlimm, dafür hast du jetzt ein Baby!‘ helfen da in der Regel nicht. Am besten ist es, die betroffenen Frauen aufzuklären über die realistischen Möglichkeiten, die vorherige Figur zurückzubekommenen. Dazu zählen Informationen zu den Themen Körperverständnis, richtige Bewegung und Ernährung und auch darüber, was die Frauen darüber hinaus machen können, um sich in ihrem Körper wieder wohl zu fühlen – z.B. Schönheits-OPs. Die Frauen, die mit ihrem durch Schwangerschaft und Geburt veränderten Körper nicht klarkommen, haben das Recht zu entscheiden, was sie unternehmen möchten, um sich in ihrem Körper wieder wohl zu fühlen – und zwar ohne sich rechtfertigen zu müssen.”

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Silke Rechlin, Prä- und Postnataltrainerin

Die zertifizierte Fitnesstrainerin aus Karlsruhe bietet mit ihrem MamaWORKOUT ein Fitness- und Gesundheitstraining für Mütter an. Das Konzept wurde speziell für Schwangere und Mamas nach der Geburt sowie mit Baby entwickelt.
Website: mamaworkout-karlsruhe.de



Die Schwangerschaft verlangt dem weiblichen Körper viel ab. Nicht für alle sind die äußerlichen Abstriche verschmerzbar.

„Gemessen an den Kriterien einer Frau, die noch keine Mutter ist, kann das äußere Erscheinungsbild im Wochenbett natürlich leiden. Hinzukommen die neuen Erfahrungen mit dem Neugeborenen, die die eigene Kindheit wieder präsent werden lassen und die gewohnten Verhältnisse in der Familie auf den Prüfstand stellen. Der große Wunsch nach einem (wieder) schlanken Körper und einem attraktiven Aussehen als Mütter kann aber auch oft eine Art Flucht vor der Auseinandersetzung mit sich selbst darstellen. Daher ist es wichtig, die eigentlichen Beweggründe vor einem Eingriff zu prüfen.

Die Schwangerschaft, die Geburt und die Stillzeit verlangt vom weiblichen Körper natürlich enorm viel ab. Dehnstreifen, Krampfadern, Geburtsverletzungen, Kaiserschnittnarben oder wunde Brustwarzen sind aber auch Spuren des Lebens auf unserem Weg zur Mutter-schaft. Sie zeugen von unserem persönlichen Weg, unseren seelischen Wunden, inneren Kämpfen aber auch von Errungenschaften und Freuden. Die Spuren erzählen die persönliche Geschichte jeder Mutter – von dieser Geschichte ist auch ihr Körper gezeichnet. Die äußerlichen Abstriche sind bei vielen durch das Mutterglück verschmerzbar, andere Frauen wiederum möchten die körperlichen Spuren der Schwangerschaft nicht mit sich tragen.”

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Inga Erchova, Dipl.-Psychologin

Die Diplom-Psychologin ist Mutter von drei Mädchen. Sie begleitet Frauen psychotherapeutisch vor und nach der Geburt und arbeitet sowohl in ihrer Praxis in Hamburg als auch per Skype oder Telefon.
Website: mutterinstinkt.net



Eine Geburt verändert in der Regel auch die Gewohnheiten: PEKIP statt Pilates und Still-BH statt Wonderbra.

„So einzigartig wie jede Frau ist, so individuell ist auch ihr Wunsch nach einer attraktiven Optik. Im Übrigen ist auch nicht wenigen Männern ihr Äußeres gleichgültig – ihr Körper ist aber nun einmal nicht den Veränderungen ausgesetzt, die eine Schwangerschaft mit sich bringt. Wenn 40 Wochen ein Kind in einem heranwächst, verlässt der weibliche Körper seine gewohnten Proportionen und braucht nach der Geburt Zeit, wieder der alte zu werden. Allerdings ist das Leben nach einer Geburt nicht mehr so wie vorher und auch deswegen haben es wohl viele Frauen schwer damit, sich mit ihrem postnatalen Äußeren abzufinden. Statt Fitnessclub heißt es dann eben in der Regel Frühförderung, PEKIP statt Pilates und Still-BH statt Wonderbra.

Ich höre in meiner Praxis häufig, dass sich die Frauen als ‘gute Mutter’ verbieten, sich irgendetwas aus ihrem ‘alten Leben’ zurückzuwünschen. Als ob sie damit sagen würden, sie bereuten etwas. Dabei darf man auch als Mutter sexy und attraktiv sein! Die jungen Mütter befinden sich oft in einem Wandel. Die Fragen der Neuausrichtung lauten: Wer bin ich als Mutter? Wie fühle ich mich wohl? Wie ist meine neue Rolle? Das vorherrschende Frauenbild kann Frauen unter Druck setzen: die perfekte Mutter sein, beruflich erfolgreich und gleichzeitig noch eine gute Figur machen und präsentieren. Wir möchten attraktiv sein und bleiben, nicht nur Mutter und Milchmaschine sein, sondern auch eine in jeder Hinsicht begehrenswerte Frau – nicht nur für den Partner, sondern auch für uns selbst. Gerade in dieser Zeit des Sich-neu-Kennenlernens ist es wichtig, dass die Menschen sich annehmen und wohlwollend mit sich umgehen. Dabei unterstütze ich sie.”

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Verena von Harrach, Körperdolmetscherin

Die Körperdolmetscherin und Heilpraktikerin für Psychotherapie aus Hamburg begleitet Menschen dabei, nach Innen zu lauschen, ihr Selbst zu erforschen sowie die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erspüren.
Website: vonHarrach.de



Gerade eine Frau, die auf ihr Äußeres achtet, ist durch ihre Selbstfürsorge auch im Umgang mit ihrem Baby gelassener.

„Jede Frau will sich in erster Linie als Frau identifizieren können. Das Muttersein kann für die eigene Identität eine wichtige Rolle spielen, ist ja aber immer nur ein Teil der Persönlichkeit und des Lebens. Dennoch haben die körperlichen Veränderungen durch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit erhebliche Bedeutung für das Erleben der eigenen Weiblichkeit. Je nachdem, ob Schwangerschaft und Geburt unbelastet verliefen oder mit Komplikationen einhergingen und wie gut sie darin begleitet wird, mit den Veränderungen oder auch möglichen Enttäuschungen umzugehen, wird das Erleben der eigenen Körperlichkeit sehr stark beeinflusst. So kann der Körper als große Quelle der Kraft und Schöpfungsfähigkeit erlebt werden oder aber schlimmstenfalls auch als ‘Feind’, der nicht den eigenen Erwartungen und Ansprüchen entspricht.

Nach außen hin sind Weiblichkeit und Mütterlichkeit ebenfalls emotional hoch aufgeladene Themen. Einer Frau, die auf sich und ihr Äußeres achtet, wird dann möglicherweise mangelnde Hingabe ans Muttersein und für ihr Kind zugeschrieben, weil Außenstehende einem unreflektierten ‘Müttermythos’ folgen. Möglicherweise ist aber gerade diese Mutter, die sich auch sichtbar für andere um sich und ihren Körper kümmert, durch ihre Selbstfürsorge auch im Umgang mit ihrem Baby gelassener und zufriedener.”

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Kathrin Peters, Dipl.-Psychologin

Die psychologische Psychotherapeutin und Mutter zweier Söhne aus Hamburg hat sich vor allem auf die psychotherapeutische Versorgung von Schwangeren und jungen Müttern spezialisiert.
Website: geburt-einer-mutter.de



Der Wunsch nach der alten Figur ist verständlich. Neu-Mamas sollten sich damit jedoch nicht unter Druck setzen.

„Eine Schwangerschaft geht nicht spurlos an einem vorbei. Sollte sie denn das? Sollten wir nicht vielmehr stolz darauf sein, dass wir bzw. unser Körper, so etwas Großartiges aus sich hervorgebracht hat? Und vielmehr: Haben wir überhaupt noch den Blick auf diese ungeheure Dimension, die eine Geburt eines Kindes darstellt? Natürlich hinterlässt dieses existenzielle Erdbeben seine Spuren. Da sind Schwangerschaftsstreifen, Krampfadern, überdehnte Bauchmuskulatur, manchmal einige Pfunde mehr – und manchmal bleiben diese Veränderungen auch für immer.

Es ist verständlich, dass der Wunsch vorhanden ist, seinen ‘alten’ Körper wieder zu erlangen. Darin liegt aber auch eine Gefahr, dass sich viele neue Mütter mit Druck überfordern. Wichtiger ist eine Neubesinnung, was körperliche Gesundheit sein soll. Der Körper braucht nach der Geburt eine andere Unterstützung durch den Sport als vor der Geburt. Der Beckenboden ist dabei der zentrale Punkt, von dem die Gesundheit ausgeht. Nach einer seriösen Rückbildungsgymnastik bieten Methoden wie Pilates hier beste Voraussetzungen, dass der Körper jene Stärkung erlangt, die er in diesem neuen Lebensabschnitt braucht. Verbunden mit der richtigen Ernährung ist dies eine der wichtigsten Voraussetzungen für echte Gesundheit. Dies ist übrigens auch mit Schwangerschaftsstreifen möglich.”

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Angela Kraaz, eidg. dipl. Hebamme

Die Hebamme aus Zürich ist zeitgleich als Still- und Laktationsberaterin, Yogalehrerin und Pilates-Trainerin tätig. Zusammen mit ihrem Team begleitet sie Frauen kompetent durch die Mutterschaft.
Website: hebammenpraxis-zuerich.ch

Fazit

Fest steht, dass sowohl die körperlichen Veränderungen nach einer Geburt als auch die Vorstellungen vom eigenen Wohlfühl-Body sehr individuell sind und sich von Frau zu Frau unterscheiden. Daher muss auch jede Frau selbst herausfinden, wie sie sich am wohlsten fühlen kann. Ob mit oder ohne OP – diese Entscheidung ist jeder Mama selbst überlassen.

An dieser Stelle vielen Dank an unsere Expertinnen für diese starken Statements!